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Interview Isabel Dörfler

Viele kennen die in Bremen geborene Musicaldarstellerin aus der Stuttgarter Produktion „42nd Street“ in der sie die Rolle der großen Diva "Dorothy Brock" spielte und 2004 dafür den Radio Regenbogen Award bekam. Aber auch in vielen anderen bekannten Musicals stand die Sängerin und Entertainerin in Deutschland und Europa auf der Bühne. Auf zahlreichen CD Produktionen wie z.B. „A Chorus Line“ (erschienen bei Polydor), „The Musicals of Kunze and Levay 2“ (erschienen bei MusicalNet/Sound Of Music) oder „Superstars des Musicals“ (erschienen bei Sound Of Music) konnte man bislang die Solistin erleben. Ihre aktuelle Solo Konzertreihe „Leben!“ veranlasste Isabel Dörfler ein Album zu veröffentlichen mit echten deutschen Klassikern „im neuen Kleid“ wie sie es selber beschreibt. Im nachfolgenden Interview erzählt Isabel Dörfler über ihr neues Album und vieles mehr.

Im Herbst 2010 erschien Ihr Album „Leben!“ bei Sound of Music. Welche Isabel Dörfler wird der Hörer auf dieser CD erleben?

Eine Isabel Dörfler, die einen eigenen Stil hat und Songs aus unterschiedlichen Jahrzehnten in eine neue, eigene Form bringt. Es gibt Neuinterpretationen der Songs von Hildegard Knef bis Tokio Hotel, von Udo Jürgens über Reinhard Mey bis Herbert Grönemeyer, Nena und Xavier Naidoo. Ich habe es Pop Chanson genannt.

Ich bin ich ein sehr gefühlvoller und lebensbejahender vielleicht sogar lebensverliebter Mensch und denke, dass sich das in den neuen Arrangements wieder spiegelt, mit Musik und Worten, die mir aus der Seele sprechen.

Ich habe Songs ausgesucht, die mir sehr viel bedeuten, Lieder, die mich teilweise seit meiner Kindheit begleitet haben, Musik, die mich schon seit Jahren und heute berührt. Inzwischen gibt es so viele Songs von tollen deutschen Künstlern in deutscher Sprache, wo Musik und Text eine stilvolle und berührende Verbindung eingehen.  Was mich auch interessiert hat, war die Frage wie Männer-Songs klingen, wenn eine Frau sie interpretiert? Wer ist schon so verrückt einen Song von Tokio Hotel aufzunehmen? Ich habe "Rette mich" im Radio gehört und dachte: Was für ein toller Song den würde ich gerne mal singen und unsere neue Sichtweise gibt diesem Song eine ganz andere, sehr frauliche Dimension. "Über den Wolken" ist eine so großartige Komposition, das man sie einfach nur bedienen muss.Das heißt "simpel" im Sinne von pur bleiben. Udo Jürgens hat oft sehr pathetische Songtexte und so ist es grade als Frau wichtig, seine Texte sehr ernst zu nehmen, sonst erscheint man leicht unglaubwürdig. Was ich ein bisschen bedaure, ist das ich mich nicht schon früher mit deutscher Popmusik befasst habe. Was für eine großartige Art und Weise Neues zu entdecken! Es hat Spaß gemacht all diese verschiedenen Stile der Vorlagen so zu bearbeiten, dass sie gut zusammen und gut zu mir passen!

Ich habe immer schon sehr gerne in deutscher Sprache gesungen. Das liegt wirklich nicht jedem muss ich heute sagen! Schon gar nicht unbedingt deutschen Musical Sängern. Im Musical wird eine ganz andere Stimmqualität verlangt, leider ist es hierzu Lande oft eine merkwürdige Mischung aus falschem Pathos und aufgedrehter Pop Unkultur. Sorry das ich so hart bin aber Stilsicherheit gehört oftmals nicht zu den Stärken unserer "Musical Stars". Sich einen Song wirklich zu eigen zu machen sollte das größte Anliegen sein.

Ich denke, es ist eine Frage des Mutes sich so zu zeigen, wie man ist. Und es ist wichtig wirklich auch zu meinen, was man sagt und nicht nur so zu tun. Ich finde nichts langweiliger als so eine glatte ungefüllte Oberflächlichkeit.
Wenn man ein Solo Konzert gibt oder eine CD aufnimmt, gibt es nicht die Möglichkeit sich hinter einer Rolle zu verstecken, das ist eine tolle Chance noch ehrlicher als sonst zu sein! Mir hat es immer am meisten Spaß gemacht die eigene Interpretation einer Rolle zu erarbeiten. Dabei haben mich große Vorlagen oder große Bühnen nie verschreckt. Im Gegenteil: Je größer die Aufgabe umso mehr Spaß hab ich dabei. Das ist heute immer noch so. Ich hatte mir die Aufgabe gestellt bei meinen Studio Aufnahmen den Zuhörer ganz nah an mich heranzulassen.

Was hat Sie dazu bewegt eine CD mit deutschen „Pop-Chansons“, wie Sie es selber beschrieben haben, zu produzieren?

Alles fing mit meinem Arrangeur Adrian Werum an der mich fragte, was mir denn Spaß machen würde zu singen.
Ich arbeite jetzt seit 28  Jahren im Musical, Konzertsaal und Theater. Ich habe es immer geliebt mich mit großen Vorlagen zu befassen. Das hat mir nie Angst gemacht, im Gegenteil. Es macht Spaß  einem berühmten Song eine andere, hoffentlich eigene Farbe zu geben. Ich habe dieses Album selbst produziert, das war eine ganz unglaubliche Erfahrung für mich. Ich bin in jeder Hinsicht über mich hinaus gewachsen. Es ist gar nicht so leicht sich selbst bis in die letzte Konsequenz zu vertrauen. Je mehr Menschen man um Rat fragt, desto mehr Meinungen bekommt man. Aber am Ende muss man selber entscheiden was einem gefällt und was nicht. Ich habe gar nicht gewusst, was ich alles hören kann, wie genau meine Arrangementvorstellungen sind und wie klar mir ein Sound vorschwebt. Diese Aufnahmen sind meine ganz persönlichen Interpretationen. Darauf bin ich sehr stolz.

Ich habe die Arrangements mit erarbeitet und habe wirklich wundervolle Musiker, die ich für ihre Arbeit sehr bewundere! Mein großer Dank gilt meinem Co-Produzenten Nik Reiff (StudioConsulting) und Andreas Luketa von Sound Of Music, ohne sie hätte ich das Projekt sicher fallen lassen, denn mitten in der Arbeit bin ich erst sehr krank geworden und dann in eine persönliche Krise geraten. So ist dieses Album auch mein ganz persönlicher Beweis dafür, mich selbst retten zu können und das ist ein tolles Gefühl!

Sie haben der CD den Titel „Leben!“ gegeben. Wie sind sie auf den Titel gekommen, der ja zugleich auch Name Ihrer Konzertreihe ist?

Einer der Songs auf der CD heißt "Lass mich leben". Der Text ist von mir selber. Darin geht es um jemanden der alles verloren hat aber an eine Zukunft glaubt. Ich denke, dass mich das in meiner Lebenseinstellung sehr gut beschreibt. Es ist eine herrliche Tanznummer geworden.

Sie haben sicher viel Herzblut und Zeit in die Aufnahme dieser CD investiert. Gab es bei der Arbeit im Tonstudio auch lustige Momente und Situationen an die Sie sich erinnern können?

Im Studio ist immer die Zeit sehr knapp (außer man heißt Usher und hat so viel Geld zur Verfügung das man quasi im Studio wohnt). Deshalb ist das Arbeiten immer sehr konzentriert und ergebnisorientiert. Aber wir haben einen Song von Daliah Lavi aufgenommen: "Wär ich ein Buch zum lesen" und haben erst später beim Mischen bemerkt, dass die ganze Zeit auf der Aufnahme eine Amsel vor dem Fenster mitgesungen hat. Wir haben den Vogel drauf gelassen und am Schluss hat er sogar noch einen extra Platz bekommen!

Die Berliner Zeitung hat über Sie geschrieben, dass Sie und Ihre Stimme „eine Gänsehaut treibende Mischung aus Barbra Streisand und Liza Minnelli“ sind. Was denken Sie über diese Aussage und würde es Sie reizen einmal am Broadway in einer New Yorker Musicalproduktion auf der Bühne zu stehen?

Natürlich würde mich das reizen! Logisch, klar. Da muss aber auch eine Anfrage kommen. Ich habe liebe Kollegen, die alles dafür tun würden, um in New York präsent zu sein. Aber ich habe eine Tochter in Deutschland und es war mir eine Selbstverständlichkeit für sie so viel wie möglich da zu sein. Immerhin habe ich viel gearbeitet in Deutschland und war schon dadurch nicht immer anwesend für sie. Sicher ist New York ein Traum, aber ich finde es hier ganz schön. Kein Wunder, das so viele amerikanische Kollegen in Deutschland arbeiten und hier bleiben wollen!

Auf der CD singen Sie das Lied von Hildegard Knef „Für mich soll´s rote Rosen regnen“. Was genau begeistert Sie am deutschen Chanson?

Ich habe Spaß an deutschen Songs und das war immer schon so. Mir hat es immer besonders viel Spaß gemacht die deutschen Übersetzungen von englischsprachigen Musicals zu interpretieren. Dabei hatte ich keine Berührungsängste mit dem "großen Original". Ich habe es immer als große Chance empfunden jeden Song in einer eigenen Interpretation zu singen und so ging es mir auch mit den Songs, die ich für das Album ausgewählt habe. Ich habe bewusst Songtexte gewählt, die viel über mich selbst aussagen.

Der deutsche Chanson ist ja nur ein Teil Ihre Repertoires. Wie sieht Ihr nächstes Projekt aus? Wird man Isabel Dörfler vielleicht mal wieder in einer Größeren En-Suite- Produktion erleben dürfen?

Ja das würde mir viel Spaß machen. Aber leider entscheiden nicht wir, die Darsteller, ob wir in eine Großproduktion hinein passen oder nicht. Ok, wenn ich es mir verkneife, zum Vorsingen zu gehen um in einer En-Suite Produktion eine Rolle zu bekommen, dann habe ich schon selber für mich ausgewählt, dass es da nichts Passendes gibt. Aber das fällt uns manchmal gar nicht so leicht. Der fleißige Musical-Darsteller rennt immer und überall hin!

Ich gebe zu, dass ich dazu nicht mehr gehöre. Mir sagte mal ein großer Bewunderer: "Entweder passt du fantastisch in eine Show oder gar nicht!" Aber oft finden wir, dass wir passen, nur das Produktions-Team sieht das nicht so. Und so gibt es Geschichten von Kollegen, die zum 8. Mal für dieselbe Rolle im selben Stück eingeladen werden, die Rolle aber niemals spielen. Man muss sich genau aussuchen, worin man seine Energien stecken möchte, man lebt ja schließlich nicht ewig!

Und ich habe noch ein paar Träume, die es zu verwirklichen gilt:
Ich arbeite an einer Tournee zum Album
Ich möchte mein Wissen weitergeben an andere.
Ich habe Freude an Moderation.
Wenn man so wie ich schon seit 28 Jahren dabei ist, möchte man nicht nur träumen, sondern auch etwas tun. Das ist zwar schwierigerer als mancher annimmt - macht aber auch glücklicher.

Herzlichen Dank an Isabel Dörfler für das ausführliche Interview und die interessanten Einblicke in Ihre Arbeit. Mehr über Isabel Dörfler erfahren sie im Internet unter www.isabeldoerfler.de

Fotos ©Karim Khawatmi

 

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